16.07.2010 Peter Patzak & Alfred Polansky

Literarich - musikalische Lesung

1+1=1 oder die Kunst der ruhigen Drehung

Oft sucht man ein Ding und findet ein anderes’, lässt im 17. Jahrhundert Cervantes eine seiner Romanfiguren findig sagen und beschrieb damit in geradezu prophetischer Weise, was Peter Patzak und Alfred Polansky in unseren Tagen als poetisch feinsinniges Klangbild virtuos in die Welt gestellt haben.
Nein, es ist kein Film. Auch kein Konzert.

 

 

Ja, natürlich ist Peter Patzak ein Regisseur, seine „Kottan“ Inszenierungen sind legendär, sein internationaler Ruf bedeutend. Wer mit Schauspielgrößen wie Elliott Gould, Annie Giradot, Leon Askin oder Michael York (um nur einige wenige zu nennen) gearbeitet hat, wem eine Oscarnominierung zuteil wurde, der besitzt unwiderruflich die höheren Weihen der Branche. Aber ihm selbst, seinem ruhelosen künstlerischen Ausdruckswillen, scheint das offenbar nicht zu genügen, denn seit jeher schon malt und schreibt er auch.  
Letzteres verbindet ihn mit Alfred Polansky. Auch der Komponist und Gitarrenvirtuose, dessen musikalisches Oeuvre schon seit vielen Jahren immer wieder sporadisch Verwendung in Patzaks Filme fand (‚Brennendes Herz’, ‚Es lebe die Liebe, der Papst und das Puff’, ‚Polizeiruf 110’, etc.), schreibt  Ein Schnittpunkt, der aber für das momentane Konzept der beiden eher am Rande liegt.
Polansky spielt also und hört nicht mehr auf. Wenn Peter Patzak aus seinen literarischen, oft autobiographisch gefärbten Werken vorträgt, schwebt das Timbre seiner Stimme geradezu auf den Klängen von Polanskys Musik. Das eine oder andere Mal durchbricht ein überraschend gewagtes Recital den rhetorischen Vortrag, um anschließend wieder in den Hintergrund zu treten.
Patzak liest aus seinem wunderbaren Roman ‚Der Geist der Farben’ genauso, wie aus seiner Erzählung ‚Wie mich meine Mutter zum Film brachte’, einmal unterhaltsam pointiert, ein anderes Mal wieder vertieft melancholisch. Polanskys Kompositionen, welche dabei zurückhaltend, aber permanent erklingen – im wahrsten Sinn des Wortes: begleiten - formen die ständig mutierenden Stimmungen mit. Vom Licht in den Schatten, vom Schatten ins Licht. Beinahe unmerkbar ist aus zwei Darstellungsweisen eine einzige geworden. Der Zuhörer, aber auch der Zuschauer - beide Herren sind nämlich obendrein noch stattliche Erscheinungen – kommt somit voll auf seine Rechnung.  
Wie anfangs gesagt: ‚Oft sucht man ein Ding und findet ein anderes’.  Eine freudige Überraschung wird bei diesem literarisch wie musikalisch exquisiten Programm dem bedachten Kunstgourmet garantiert sein.  
Peter Patzak und Alfred Polansky: 1+1=1 oder die Kunst der ruhigen Drehung.

www.peter-patzak.at
www.alfredpolansky.at

Eintritt: € 20.-

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